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Was läuft schief in der Pflege? Teil 1

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Folgende Mail einer Fachkrankenschwester, die wir auf die mündliche Prüfung zur Fachwirtin im Gesundheits- und Sozialwesen (IHK) und den AdA Schein vorbereitet haben, erreichte mich letzte Woche und hat mir sehr zu denken gegeben:

„Bei mir besteht derzeit noch das Problem, dass ich gar nicht so recht weiß, was ich eigentlich möchte. Auf der einen Seite bin ich sehr gerne Krankenschwester und arbeite auch gerne mit Kollegen im Team. Auf der anderen Seite sind die Arbeitsbedingungen derzeit in der Pflege aber zunehmend unzumutbar.

Und eine Karriere im Bereich PDL sehe ich auch nicht gerade rosig…..wie soll man eine Abteilung leiten, in der permanenter Personalnotstand herrscht und von Seiten der Regierung angenommen wird, dass eine Qualifizierung "bildungsferner Schichten“ (größtenteils ohne bzw. wenig  Deutschkenntnissen) ausreicht, um eine qualifizierte, hochanspruchsvolle  Pflege durchzuführen, für die eine Gesundheits- und Krankenpflegerin zurecht  3 Jahre lernen muss. In einer Bank oder beim Finanzamt käme man wohl kaum auf so eine Idee, denn hier geht es ja meistens auch um Geld und nicht um Menschen“. 

Ich habe jetzt mal Gehälter verglichen. Laut gehalt.de verdient ein Filialleiter einer Sparkasse, der ja auch dem öffentlichen Dienst zuzurechnen ist, weil Träger der Sparkassen nun mal öffentliche Körperschaften sind, zwischen 40.000€ und 60.000€.

Diese Gehälter bekommt eine Stationsleitung bei einem öffentlichen Träger nicht bezahlt.

Selbst eine Stufe höher, einer PDL mit ca. 280 Pflegekräften, werden nach Tarif lediglich 54.000€ bezahlt und das in der mit Abstand teuersten Stadt Deutschlands, München. 

Hier läuft gewaltig was schief!

Was passiert, falls der o.g. Filialleiter einen schweren Fehler macht?

Im schlimmsten Fall gehen ein paar hunderttausend Euro den Bach runter, was eher unwahrscheinlich ist, weil die Sparkassen entsprechende Kontrollmechanismen eingebaut haben.

Was passiert aber, falls die Stationsleitung oder die PDL einen schweren Fehler macht?

Dann sind - im schlimmsten Fall-  akut Menschenleben gefährdet.

Dennoch verdient der Filialleiter deutlich mehr. 

Was ist das für ein Menschenbild? 

Ich gönne jedem Filialleiter das Gehalt, aber meiner Ansicht nach müsste – aufgrund der persönlichen und gesellschaftlichen Verantwortung – das Gehalt der PDL oder Stationsleitung deutlich höher sein.

Jetzt könnte noch argumentiert werden, dass der Filialleiter eine aufwendigere Ausbildung hat. Aber auch das ist kaum anzunehmen, denn die oben genannte PDL hat folgende Qualifikationen:

  • Krankenschwester
  • Mentorin
  • Fachkrankenschwester
  • Stationsleitung mit langjähriger Führungserfahrung
  • Bachelorabschluss Pflegemanagement

Ein weiterer Fall:

Eine stellvertretende PDL (22 Jahre alt) in einem Pflegeheim, die unmittelbar vor ihrem Abschluss zur Fachwirtin im Gesundheits- und Sozialwesen (IHK) steht und die wir bei AQADA auf die Prüfung vorbereiten.

Diese Frau war hoch motiviert und hat ihre Arbeit immer gerne gemacht. Pflege war ihres.

Warum war? 

Sie den Job gewechselt, und arbeitet jetzt bei einer Personalvermittlung im administrativen Bereich. 

Wieso hat sie den Job gewechselt? 

Die Arbeitsbedingungen haben den Ausschlag gegeben.

Keine planbaren Arbeitszeiten, kurzfristiges Einspringen, Dienst nachts, an Wochenenden und Feiertagen, ständige Änderungen der Dienstpläne.

Im neuen Job ist sie zufrieden, weil sie jetzt von Montag bis Freitag arbeitet und sie hat eine ganz neue Lebensqualität für sich entdeckt. 

Was bleibt? 

Die Pflegefachkräfte sind demotiviert und/oder wechseln ggfs. den Job, weil für sie die Arbeitsbedingungen und die gezahlten Gehälter häufig schlichtweg eine Zumutung sind. 

Jetzt wird der Einwand kommen, strukturelle Änderungen sind nicht finanzierbar, aber das halte ich für eine vorgeschobene Behauptung und werde versuchen diese Behauptung in einem der nächsten Blogbeiträgen zu entkräften und Lösungsvorschläge zu machen.

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